Kann ich meine Website mit KI selbst bauen? Die ehrliche Antwort

Das Thema begegnet mir gerade überall: in Communitys, in Gesprächen mit Business-Buddys, auf Instagram. „Erstell deine Website einfach und schnell mit KI. WordPress brauchst du nicht mehr.“

Ich kann den Trend gut verstehen, denn das Versprechen klingt verlockend: schnell, günstig und ohne Webdesignerin eine Website erstellen.

Darum habe ich es getestet. Mit Claude Code habe ich in den letzten Wochen meine eigene Website nachgebaut und dabei genau geschaut, was wirklich möglich ist, wo es hakt und was das für meine Kundinnen bedeutet.

Meine ehrliche Antwort, auf die Frage, ob du deine Website mit KI bauen kannst, lautet: Es kommt drauf an. Nicht auf das Tool, sondern auf deine Situation – was deine Website leisten soll, wer sie pflegt und wie viel Technik du dir zumuten möchtest.

In diesem Artikel erkläre ich dir, was „Website mit KI bauen“ überhaupt bedeutet, was funktioniert und was nicht – damit du eine Entscheidung treffen kannst, die zu dir und deinem Business passt.

Was bedeutet „Website mit KI bauen“ eigentlich?

Bevor wir in die Vor- und Nachteile einsteigen, lohnt es sich kurz zu klären, wovon ich überhaupt spreche. Denn „Website mit KI bauen“ kann verschiedene Dinge bedeuten.

Manche meinen damit KI-Baukästen, die auf Knopfdruck eine fertige Website generieren. Andere meinen Tools, die im Hintergrund sowieso WordPress nutzen – und sich damit kaum von einer klassischen WordPress-Website unterscheiden.

Die Variante, um die es in diesem Artikel geht und über die gerade (in meinem Umfeld) am meisten diskutiert wird, ist eine andere: Du briefst eine KI – ich habe dafür Claude Code genutzt – mit einem Prompt, und sie schreibt dir den Code für deine Website. Das Ergebnis sind HTML-, CSS- und JavaScript-Dateien, die zusammen deine fertige Seite ergeben. Kein CMS, keine Datenbank, kein Plugin-Dschungel. Eine sogenannte statische Website.

Genau das habe ich selbst getestet. Und darum geht es hier.

Was eine KI-Website wirklich kann – und was nicht

Was gut funktioniert

Das Ergebnis entsteht schnell. Das war auch meine größte positive Überraschung beim Test: Innerhalb kurzer Zeit steht ein brauchbares Ergebnis da – ein fertiges Layout, das schon ordentlich aussieht. Je nachdem, wie viel Kontext du der KI mitgegeben hast, kommen auch ganz gute Texte dabei raus.

Dazu kommen technische Vorteile, die nicht zu unterschätzen sind: Statische Websites laden sehr schnell, weil im Hintergrund keine Datenbank abgefragt wird. Und weil es keine Plugins gibt, gibt es auch keine Plugin-Updates, keine Sicherheitslücken durch veraltete Erweiterungen und keinen Wartungsaufwand in der Form, wie man ihn von WordPress kennt.

Genau diese Punkte werden als großer Vorteil der KI-Websites gegenüber einer WordPress-Website mit Page Builder dargestellt.

Wo es schwieriger wird

Aber genau hier fängt es auch an, komplizierter zu werden – und das in mehreren Bereichen.

Prompten ist ein Skill für sich. Das Ergebnis ist immer nur so gut wie der Prompt, der dahintersteht. Das hat eine wichtige Konsequenz: Du kannst der KI nur mitgeben, was dir bewusst ist. Was du nicht weißt, fragst du auch nicht – und die KI ergänzt es nicht unbedingt von selbst. Mobiloptimierung, Barrierefreiheit, DSGVO-konforme Einbindung von Schriften – das alles landet nur in der Website, wenn du explizit danach fragst. Und auch dann solltest du es noch selbst überprüfen.

Wer außerdem klare visuelle Vorstellungen hat, steht vor einer zusätzlichen Hürde: Diese Vorstellungen müssen in Textform beschrieben werden. Visuelle Editoren wie Divi oder Elementor in WordPress erlauben es, Elemente direkt zu verschieben, Texte anzuklicken und Farben auszuprobieren. Beim Prompten beschreibst du das gewünschte Ergebnis – und hoffst, dass die KI dasselbe Bild „vor Augen“ hat wie du.

Änderungen sind fehleranfällig. Was ich selbst erlebt habe und was sich mit den Erfahrungen anderer deckt: Wenn man anfängt, Änderungswünsche zu prompten, geht die KI manchmal über das hinaus, was man wollte. Sie ändert mehr als beauftragt – manchmal subtil, manchmal deutlich. Wie jemand in einem Meeting treffend formuliert hat: „Man muss halt aufpassen, wie man das promptet. Man ist halt selbst schuld am Ende.“

Je länger ein Chat wird und je mehr Änderungen man vornimmt, desto fehleranfälliger wird der Prozess. Dinge, die anfangs gut aussahen, können im Laufe weiterer Anpassungen verschwinden oder kaputtgehen. Das bedeutet: Man muss nach jeder Änderung sorgfältig prüfen, ob noch alles stimmt. Und vielleicht solltest du versuchen, verschiedene Versionen der Website zu speichern, damit du später wieder zu einen früheren Stand zurück kannst.

Eine vollständige Website ist mehr als ein Layout. Kontaktformular, Tracking-Pixel, Cookie-Banner, Newsletter-Anbindung – das alles ist nicht automatisch bei einer Website von Claude dabei. Jede dieser Funktionen muss separat gelöst werden. Und wenn du mit Claude deine Website erstellst, müsst ihr zusammen für jeden Fall eine Lösung finden. Vieles davon ist bei WordPress schon durch bewährte Plugins gelöst. Und wenn du später Farben oder Schriften ändern willst, betrifft das jede einzelne Seite der Website und du bist darauf angewiesen, dass die KI alle Stellen richtig verändert.

Die Dateien müssen irgendwo hin. Einen oft unterschätzten Schritt gibt es noch, bevor die Website online ist: Die fertigen Dateien müssen auf einen Server. Das geht entweder über einen FTP-Zugang zu deinem Webspace bei einem Hoster wie all-inkl. oder Strato – also das manuelle Hochladen von Dateien, was ein wenig technisches Grundwissen voraussetzt – oder über externe Dienste wie Netlify oder GitHub Pages. Beides ist lernbar, aber beides ist ein eigener Schritt, der Zeit und Einarbeitung braucht. Und wer seine Website dadurch auf Servern außerhalb Europas hostet, sollte dabei auch den Datenschutz im Blick haben.

Für wen kann das funktionieren?

Eine pauschale Antwort gibt es hier nicht. Aber es gibt Situationen, in denen eine KI-generierte Website sinnvoll sein kann – und solche, in denen sie schnell zum Problem wird.

Es kann funktionieren, wenn…

  • du eine einfache, überschaubare Präsenzseite brauchst, die sich selten ändert.
  • du keinen Blog, kein Buchungssystem und keinen Funnel planst.
  • du Freude daran hast, dich in neue technische Tools einzuarbeiten – und die Zeit dafür hast.
  • du bereit bist, dich auch mit Themen wie Hosting und Server-Einrichtung auseinanderzusetzen.

Es wird schnell zum Problem, wenn…

  • du Inhalte regelmäßig selbst anpassen möchtest, ohne im Code zu schreiben oder alles prompten zu müssen.
  • du einen Blog, ein Buchungssystem, einen Onlinekurs oder einen Freebie-Funnel planst.
  • du noch nicht genau weißt, was deine Website leisten soll – denn die KI baut nur das, was du ihr sagst.
  • du das Ergebnis an jemand anderen übergeben möchtest, der die Website später pflegt.

Meine wichtigste Frage in diesem Zusammenhang lautet: Bist du wirklich unabhängiger, wenn du den generierten Code nicht verstehst? Eine WordPress-Website, die du mit einem visuellen Editor selbst bearbeiten kannst, gibt dir unter Umständen mehr Handlungsspielraum als eine KI-generierte Seite, die du ohne technische Kenntnisse nicht anfassen kannst.

Echte Unabhängigkeit entsteht durch Verstehen – nicht durch das Tool, das du benutzt.

Was du vor der Entscheidung wissen solltest

Die Frage „WordPress oder KI?“ klingt wie eine Entweder-oder-Entscheidung. Tatsächlich gibt es aber zwei unabhängige Fragen, die du separat beantworten solltest.

Frage 1: Welche Technologie passt zu meinem Bedarf?

Was soll deine Website leisten? Brauchst du einen Blog, ein Buchungssystem, eine Freebie-Landingpage? Wer pflegt die Seite nach dem Launch – du selbst oder jemand anderes? Wie sieht dein Business in zwölf Monaten aus und wie stark muss sich deine Website dabei mitentwickeln?

Frage 2: Möchte ich das selbst umsetzen – oder lieber abgeben?

Das hängt nicht nur von deinen technischen Fähigkeiten ab, sondern auch davon, wie viel Zeit und Nerven du investieren möchtest. Eine Website selbst zu bauen kann sinnvoll sein. Aber der Aufwand ist in beiden Fällen – WordPress und KI – größer als viele im Vorfeld erwarten. Vor allem, wenn du gewisse visuelle Ansprüche an deine Website hast.

Wer diese Fragen überspringt und direkt mit dem Tool anfängt, merkt oft erst mittendrin, dass die Wahl nicht zur eigenen Situation passt. Das kostet mehr Zeit, als eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema am Anfang gebraucht hätte.

Nicht sicher, was zu dir passt?

Wenn du dir bei diesen Fragen noch nicht sicher bist, ist ein kurzes Gespräch oft der schnellste Weg zur Klarheit. Im Erstgespräch schauen wir gemeinsam, was deine Website leisten soll – und welcher Weg dafür wirklich sinnvoll ist.

Hier kannst du dir ein kostenloses und unverbindliches Kennenlerngespräch mit mir buchen.

Fazit

Eine Website mit KI zu bauen, ist möglich. Und für bestimmte Situationen kann es eine sinnvolle Option sein. Aber es ist kein Selbstläufer – und es ist vor allem kein Weg, der für jede Selbstständige passt.

Die wichtigste Frage ist nicht, welches Tool du nimmst. Sondern was deine Website leisten soll, wer sie pflegt und wie viel du bereit bist, in die Einarbeitung zu investieren.

In den nächsten Teilen dieser Artikelreihe schaue ich mir WordPress und KI-Websites direkt nebeneinander an – und erkläre, warum ich als Webdesignerin trotz meines eigenen Tests bei WordPress geblieben bin. Wenn du keinen Artikel verpassen möchtest, trag dich gerne in meinen Newsletter ein.

Sophia Ruppel - WordPress Webdesignerin

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