Vielleicht kennst du das Gefühl: Du kannst etwas richtig gut – aber du glaubst trotzdem, dass es irgendwie nicht „zählt“, weil du es nicht offiziell gelernt hast. Weil du kein Zertifikat hast. Genau das hat mich fast zehn Jahre davon abgehalten, Webdesignerin zu werden. Dabei habe ich meine ersten Websites schon 2009 gebaut. In diesem Artikel erzähle ich dir meine Geschichte – von den ersten Projekten im Studium bis zu dem Moment, in dem ich endlich aufgehört habe zu warten.
Inhalt
Die Anfänge: Wie ich 2009 zum Webdesign gefunden habe
Alles begann an der Universität Lüneburg, wo ich Kulturwissenschaften mit dem Nebenfach Kulturinformatik studierte. Das Fach hat mich sofort gepackt – es ging darum, wie der Computer als Kulturtechnik das Leben von Menschen beeinflusst. Für jemanden, der mit Computern aufgewachsen ist, DOS-Oberflächen noch dunkel in Erinnerung hat und schon immer gerne Computerspiele gespielt hat, war das der perfekte Einstieg.
Im Studium habe ich drei Seminare belegt, die für meinen Weg entscheidend waren:
Relationale Datenbanken – WordPress basiert zu einem großen Teil darauf, und dieses Grundlagenverständnis hilft mir bis heute.
Web-Publishing – hier habe ich gelernt, wie ich HTML-Dateien schreibe. Das einzige Dateiformat, das Browser bis heute verstehen. Wie man Seiten strukturiert, Links setzt und wie Navigation funktioniert. Die absoluten Grundlagen der Webentwicklung.
Grafikdesign – Photoshop, Freehand (im Grunde der Vorgänger von Illustrator), Pixel- und Vektorgrafiken, Typografie. Rückblickend steckte in diesem einen Seminar erstaunlich viel drin.
Den entscheidenden Schritt in die Praxis habe ich dann durch meinen Mitbewohner gemacht – einen künstlerisch begabten Menschen, der heute als Street Artist bekannt ist (Bei knapp 70.000 Followern auf Instagram darf ich „bekannt“ sagen, oder?). Wir saßen in der Küche, ich erzählte, dass ich Lust habe, Websites zu erstellen, aber ein konkretes Projekt brauche, um wirklich in die Umsetzung zu kommen. Er brauchte eine Website. Wir wurden uns einig: Ich baue die Website, er malt ein Porträt von mir.
(Das Porträt hatte mir leider nicht so gut gefallen – und seine Website ist inzwischen auch nicht mehr online. Aber der Anfang war gemacht.)
Kurz darauf kam das erste bezahlte Projekt – vermittelt über meine Schwester. Eine Freundin von ihr, gerade in ihrem ersten Job, brauchte eine Website. Meine Schwester wusste, dass ich mich damit beschäftige, und hat mich empfohlen. Dies war dann die erste Website, die auf Basis von WordPress entstand.
Das zweite bezahlte Projekt folgte über meinen Basketballverein in Hamburg. In einem Vereins-Workshop kam die Frage auf, ob die Basketball-Abteilung eine Website bekommen soll. Ich habe einfach gesagt: „Ich kann das und würde das gerne machen.“ – Und es dann gemacht, unterstützt von einem Softwareentwickler, der ebenfalls im Workshop dabei war.
2009 waren das meine ersten bezahlten Projekte. So hat alles angefangen.
Warum ich mich damals für WordPress und nicht für etwas anderes entschieden habe
Meine erste Website – die für meinen Mitbewohner – habe ich noch in reinem HTML gebaut. Schon 2007 habe ich einen Blog über meine Auslandszeit in Chile Zeile für Zeile in HTML geschrieben. Das Design war natürlich sehr einfach und von CSS hatte ich noch nicht wirklich viel Ahnung.
Für die bezahlten Projekte merkte ich schnell: Menüs, News-Bereiche, dynamische Inhalte – das lässt sich in reinem HTML nicht sinnvoll skalieren. Also habe ich recherchiert, was es gibt. Die Wahl fiel auf WordPress – und zwar auf Version 2.9. Das habe ich neulich noch in meiner alten Datensicherung gefunden. Ich bin, was das angeht, also wirklich schon eine ganze Weile dabei.
WordPress war damals schlicht die beste Lösung für das, was ich auf diesen Seiten umsetzen wollte. Und diese Entscheidung hat sich in den Jahren, die folgten, immer wieder bestätigt.
Die ersten Schritte – und was ich dabei gelernt habe
Webdesign habe ich mir zu einem großen Teil selbst beigebracht. Das bedeutete: lange Abende am Rechner, viel Recherche, viel Ausprobieren. Drei Dinge aus dieser Zeit sind mir besonders in Erinnerung geblieben.
Kein Backup – kein Netz
Was ich damals nicht konsequent gemacht habe: Backups. Wer direkt in Dateien arbeitet und keine Versionskontrolle hat, lebt gefährlich. Eine falsche Änderung, und man sucht sich durch den Code, um zu finden, was vorher noch funktioniert hat. Das ist eine Lektion, die man am besten nur einmal erlebt – und dann nie wieder vergisst.
Direkt auf der Live-Umgebung arbeiten
Ich habe von Anfang an iterativ gearbeitet: eine Änderung machen, hochladen, anschauen, weiter. Das hat mir geholfen, Schritt für Schritt voranzukommen – ist aber gleichzeitig mein größter Anfängerfehler als Webdesignerin gewesen. Bei einem der ersten Projekte habe ich farbige Kästen verwendet, um zu sehen, wo die einzelnen Elemente auf der Seite positioniert sind. Rote, blaue, gelbe Boxen – für mich ein normales Hilfsmittel beim Entwickeln. Für meine Kundin, die zufällig auf ihre Website geschaut hat, erst mal ein kleiner Schock. Heute gibt es dafür Entwicklungsumgebungen. Damals habe ich das auf die harte Tour gelernt, dass man die Kunden solche Zwischenstände besser nicht sehen lässt.
Hilfe holen – aber verstehen wollen
Bei der Website für meinen Sportverein hat mir ein Softwareentwickler geholfen, einen Fehler im PHP-Code des Menüs zu beheben. Was mich bis heute nervt: Ich habe ihn gefragt, was er geändert hat – und nie eine Antwort bekommen. Der Fehler war weg, aber ich wusste nicht, warum. Das hat mich gelehrt, wie wichtig es ist, nicht nur Hilfe zu holen, sondern auch zu verstehen, was gemacht wurde. Technik, die man nicht versteht, macht abhängig. Das ist bis heute eines meiner Grundprinzipien in der Arbeit mit meinen Kundinnen.
Was mich 2020 dazu gebracht hat, daraus einen Beruf zu machen
Nach dem Studium habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit nicht gewagt – obwohl ich Lust darauf hatte. Der Gedanke, lieber erst mal angestellt zu sein, hat überwogen. Und ich habe nach dem Abschluss sehr schnell eine Praktikumsstelle bei einem Computerspielentwickler in Hamburg gefunden und wurde schon nach 3 Monaten fest angestellt. So habe ich fast zehn Jahre lang als Produkt- und Projektmanagerin gearbeitet: in der Computerspiele- und Softwareentwicklung, in drei verschiedenen Unternehmen, mit Teams, technischen Abläufen und digitalen Produkten.
Webdesign war in dieser Zeit nicht mein Beruf, aber kein fremdes Terrain. Ich habe weiterhin mit WordPress gebloggt, war nah dran an Entwicklern, UI-Designern und UX-Architekten – und habe dabei viel gelernt, ohne es damals richtig bewusst wahrzunehmen.
2019 habe ich dann gekündigt. Mit 36, ohne konkreten Plan, aber mit einem klaren Gefühl: So weiter geht es nicht. Die Gründe, warum ich aus meiner damaligen Firma raus wollte, sind vielfältig und darüber schreibe ich ein anderes Mal.
Zunächst habe ich andere Ideen ausprobiert – digitale Produkte im Bereich Ernährung, dann Beratung rund um Produktentwicklung. Beides hat nicht so richtig gezündet. Dazu kam eine Pandemie, du kennst die Story. Ende 2020 habe ich dann nur einen Facebook-Post gemacht und erwähnt, dass ich mich mit HTML, CSS und PHP auskenne und bei technischen Dingen unterstützen kann.
Dieser eine Post hat alles verändert. Die ersten Anfragen kamen – und ich habe gemerkt: Das kann ich. Das macht mir Spaß. Und damit kann ich anderen wirklich weiterhelfen.
Aus kleinen Aufträgen wie der Überarbeitung einer Landingpage oder der Einrichtung von Newsletter-Formularen sind immer größere Projekte geworden, bis ich auch neue Websites von Grund auf erstellt habe.
So bin ich Webdesignerin geworden. Nicht durch einen großen Plan, sondern indem ich dem gefolgt bin, was mir Spaß gemacht hat, und gezeigt habe, welche Fähigkeiten, ich schon lange hatte.
Was mich Webdesign seitdem gelehrt hat
1. Grundlagen sind kein Nice-to-have, sondern das Fundament.
Wer versteht, wie HTML, CSS, PHP und Datenbanken zusammenhängen, trifft bessere Entscheidungen – auch dann, wenn man selbst nicht mehr jede Zeile Code schreibt. Dieses Grundlagenwissen hat mich durch jede Veränderung in der Branche getragen.
2. Echte Projekte sind der beste Lehrmeister.
Ich habe Webdesign nicht nur in einem Kurs gelernt, sondern durch konkrete Aufträge mit echten Menschen und echten Erwartungen. Erst wenn ich mein Wissen in echten Projekten anwende, wird dadurch Erfahrung und Expertise.
3. Technik, die du nicht verstehst, macht dich abhängig.
Das gilt für mich genauso wie für meine Kundinnen. Wer nicht nachvollziehen kann, was hinter den Kulissen passiert, verliert die Kontrolle. Deshalb erkläre ich, was ich tue – und baue Systeme, die verstanden werden können.
4. Der richtige Moment existiert nicht – du schaffst ihn.
Ich habe fast zehn Jahre gewartet, bis ich mich getraut habe, Webdesignerin zu werden. Nicht weil ich es nicht konnte, sondern weil ich glaubte, ich hätte es nicht „richtig“ gelernt. Hätte ich früher als Webdesignerin starten können? Bestimmt, aber rückblickend machen alle Stationen in meinem Lebenslauf Sinn und haben wir wichtige Erfarhungen gegeben, die sich jetzt zu meiner Expertise zusammensetzen.
5. Zeig, was du kannst – auch wenn es sich klein anfühlt.
Ein einziger ehrlicher Post bei Facebook hat mein heutiges Business gestartet. Keine große Kampagne, kein perfektes Angebot. Nur die schlichte Information: Das kann ich. Das bringt manchmal mehr als alle Strategie, monatelange Positionierungsarbeit oder Content-Marketing. Einfach mal machen. Einfach mal trauen.
Warum ich mich heute wieder für Webdesign entscheiden würde
Websites sind auch 2026 noch relevant. Die Landschaft verändert sich gerade schnell – KI beeinflusst, wie Websites gebaut werden, und ich setze mich aktiv damit auseinander, was das für meine Arbeit bedeutet. Dazu mehr in einer eigenen Artikel-Reihe, die ich gerade vorbereite.
Aber die Frage, ob ich es wieder so machen würde? Ja. (Und hoffentlich mit weniger Zögern.)
Was mich antreibt, ist das Feedback meiner Kundinnen: „Die Website entspricht wirklich mir. Damit fühle ich mich richtig wohl.“ Genau das ist der Moment, für den ich arbeite.
Manchmal wünsche ich mir, ich hätte früher den Mut gehabt, diesen Schritt in Richtung Webdesign zu machen. Ich habe lange geglaubt, ich hätte Webdesign „ja nicht gelernt“. Dabei habe ich es durchaus gelernt – durch Seminare, durch Bücher, durch echte Projekte. Ich habe von Grund auf verstanden, wie HTML, CSS, PHP und Datenbanken funktionieren. Dieses Grundlagenwissen hilft mir bis heute, die Anforderungen meiner Kundinnen umzusetzen.
2026 – in drei Jahren habe ich zwanzig Jahre Erfahrung als Webdesignerin. Das klingt viel. Und es ist viel. Aber vor allem ist es ein gutes Fundament für das, was noch kommt.
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